Im „Zuchtbrief“ aus dem Jahr 1351, der ältesten Nachricht über das Erfurter Feuerlöschwesen, sind Pflichten der Bürger zum Schutz vor dem Feuer und zur Brandbekämpfung festgehalten. Ein halbes Jahrtausend später wurde die Berufsfeuerwehr gegründet.
Der Schutz und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger ist seit jeher Aufgabe der dem Gemeinwohl verpflichteten Gemeinden. Aus dem Jahr 1351 stammt die erste Feuerordnung der Stadt Erfurt, der Zuchtbrief. In ihm sind die Pflichten der Bürger zum Schutz vor dem Feuer und zur Brandbekämpfung festgehalten. Nachbarschaftliche Hilfe war bei Feuersbrünsten das Gebot der Stunde. Über fünf Jahrhunderte gingen ins Land, bis 1862 mit Gründung der Turnerfeuerwehr das organisierte Feuerlöschwesen in der thüringischen Stadt Erfurt seinen Anfang nahm. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen die Stadtväter nicht umhin, eine schlagkräftige, ständig einsatzbereite Truppe zu schaffen. Der 1. April 1910 war die Geburtsstunde der ersten Berufsfeuerwehr in Erfurt. Unverzichtbar an der Seite der Berufsfeuerwehr standen und stehen die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren.
Retten-Löschen-Bergen – so lässt sich das Einsatzspektrum der Berufsfeuerwehr in drei Worten zusammenfassen. Und hinter diesen wenigen Worten stehen an 365 Tage im Jahr und 24 Stunden am Tag 217 Bedienstete des Amtes für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, eine der wichtigsten Struktureinheiten der Landeshauptstadt Thüringens. Dabei wurde die Feuerwehr im Jahr 2009 zu 1.748 Hilfeleistungen, 1.115 Bränden und 1.038 Notfalleinsätzen alarmiert. Die Zentrale Leitstelle ist Anlaufstelle für über 100.000 Hilfeersuchen im Jahr und kann in einem Dispositionsgebiet von 1.070 km² von rund 280.000 Bürgerinnen und Bürgern erreicht werden. Auch als Ausbildungszentrum für den feuerwehrtechnischen Dienst hat sich die Berufsfeuerwehr bundesweit einen Namen gemacht. Ein moderner Brandsimulationscontainer steht den Feuerwehrangehörigen zur Verfügung. Das hochmoderne Erfurter Gefahrenschutzzentrum im Norden der Landeshauptstadt und die zweite Feuerwache im Südosten von Erfurt, für deren Neubau 2010 der Startschuss fallen soll, bieten die Gewähr, dass die Einsatzkräfte blitzschnell an der Gefahrenstelle die Arbeit aufnehmen können. Viel Interessantes lässt sich noch über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der hoch qualifizierten Berufsfeuerwehr sagen. Die „Chronik der Feuerwehr Erfurt“, die rechtzeitig zum Jubiläum erscheint, bietet einen kurzweiligen Streifzug durch die Feuerwehrgeschichte.
Historisches
Urkundlich wird Erfurt erstmals 742 erwähnte. Im Laufe der Jahrhunderte suchten die in der Mitte Deutschlands gelegene, thüringische Landeshauptstadt immer wieder verheerende Feuersbrünste heim. Der erste, in historischen Schriften erwähnte Brand aus dem Jahr 1068 machte wegen großer Kälte und aufkommendem Wind alle Löschversuche der Bürger zunichte. Viele Kirchen und Klöster, insbesondere aber St. Servi und das Peterskloster, wurden ein Raub der Flammen. Brandgassen, das waren Durchgänge zwischen den Häusern, die zu Wasserstellen führten, und die 1230 angelegten Klingen, ein oberirdisches Kanalsystem, das sich über die gesamte heutige Altstadt erstreckte, dienten dem Feuerschutz. Diese Wassergräben, die in der aus dem Jahr 1324 stammenden „Willkür“, dem Stadtrecht, als erste gemeinnützige Feuerlöschanlage genannt werden, verloren erst mit dem Bau der Wasserleitung im Jahr 1876 ihre Bedeutung. Die älteste Nachricht über das Erfurter Feuerlöschwesen enthält der benannte „Zuchtbrief“ aus dem Jahr 1351. Erst 1429 erließ der Rat, die Vorschläge aus dem Jahr 1396 beachtend, die erste Feuerordnung. Auch wenn diese recht kurz gehalten war, ließ sie doch eine „Feuerwehrwesen“ erkennen, das wohl organisiert war. Die Feuerordnung aus dem Jahr 1617 ist die erste, die einen tieferen Einblick in die Organisation des Feuerlöschwesens gestattet. 200 Häuser, das Reglerkloster, die Bartholomäuskirche, die alte Residenz der Grafen von Gleichen und das Stotternheimsche Palais, das vom Anger bis weit in die Schlösserstraße reichte, fielen am 13. August 1660 den Flammen zum Opfer. Feuerwehrleute und Bürger standen dem sich gierig Nahrung suchenden Flammenmeer ohnmächtig gegenüber. Nach der Feuerordnung von 1726, Erfurt stand unter Kurmainzischer Herrschaft, wurde jedem mündigen Bürger eine Art Steuer abverlangt, um die Feuerrüstung der Stadt zu erhalten und zu erneuern. Die Feuerordnung von 1830 enthielt Festlegungen zur Verhütung von Feuersbrünsten, für die materiellen und personellen Mittel der Feuerbekämpfung, für das Verhalten bei Ausbruch eines Feuers sowie zu Maßnahmen nach der erfolgreichen Brandbekämpfung. Diese Feuerordnung wurde im Laufe der folgenden Jahrzehnte immer wieder erneuert. Mangelnde Übung, ungenügende Organisation am Brandort, fehlende Disziplin der Einsatzkräfte führten dazu, dass Erfurts Bürgermeister Kirchhoff auf Anraten der preußischen Regierung 1861 an die Spitze der Oberfeuerkommission trat. Nicht effizient genug erscheint in diesen Jahren das Feuerlöschwesen in der mittelalterlich geprägten Stadt. Und so sehen sich die Stadtväter genötigt, am 15. November 1862 aus den Mitgliedern des Männerturnvereins das „Turner-Feuerwehr, Lösch- und Rettungskorps“ aus der Taufe zu heben. Die freiwillige Turnerfeuerwehr Ilversgehofen folgte 1874 und im Jahr 1878 entstand die erste Betriebsfeuerwehr bei der Firma Ernst Benary. Bis 1879 wurden die Bürger durch Läuten der Sturmglocke von den Türmen der Stadt und nachts durch das Blasen oder Pfeifen der Nachtwächter auf einen Brand aufmerksam gemacht. Erst in den Folgejahren gab es in der Stadt in den Wohnhäusern von Feuerwehrleuten Feuermeldestellen, die telefonisch mit der Zentrale im Rathaus verbunden waren.
Die Berufsfeuerwehr Erfurt
Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs entwickelte sich Erfurt zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Großstadt und wird so nicht nur zum wirtschaftlichen sondern auch zum gesellschaftlichen Mittelpunkt Thüringens. Die Stadtväter kamen nicht umhin, über eine ständig einsatzbereite Feuerwehr nachzudenken. Der Berliner Branddirektor Reichel erstellte auf Veranlassung der Regierung ein Gutachten über das Feuerlöschwesen der Stadt. Das Fazit seiner Betrachtung – Erfurt braucht eine Berufsfeuerwehr.

Am 1. April 1910 nahm die Berufsfeuerwehr Erfurt mit einem Feldwebel, zwei Oberfeuerwehrleuten und sechs Feuerwehrmännern ihre Tätigkeit auf. Im gleichen Jahr wurden sechs weitere Feuerwehrleute eingestellt, so dass die Mannschaftsstärke auf 15 Mann anwuchs. Die Leitung übernahm nebenberuflich Polizeiinspektor Richard Mundt. Eine neue Hauptfeuerwache am Reglerring 3 (heute Juri-Gagarin-Ring) wurde im Oktober 1913 in Betrieb genommen. Sie war, nach mehreren Umbauten, bis 1996 Heimstatt für die Berufsfeuerwehr. 1918 wurde die erste Autodrehleiter in Dienst gestellt. Im gleichen Jahr hatte das 24-Stunden-Wachsystem, das noch heute praktiziert wird, Premiere. 50 Kameraden versahen im Jahr 1931 ihren Dienst bei der Berufsfeuerwehr. 1939 erfolgte die Umprofilierung der Feuerwehr zur Feuerlöschpolizei, die Angehörigen der Berufsfeuerwehr wurden in das Beamtenverhältnis übernommen. 1943, der zweite Weltkrieg erfuhr mit der Schlacht bei Stalingrad eine unverkennbare Wende, bereitete sich die Stadt auf zu erwartende Luftangriffe vor. Feuerlöschteiche wurden auf allen größeren Plätzen der Stadt aufgestellt. Eine Ausweichfeuerwache wurde in der Alte-Fritz-Straße, der heutigen Hans-Sailer-Straße, eingerichtet. Der zweite Weltkrieg hatte neben unsäglichem menschlichem Leid auch hohe materielle Schäden hinterlassen.

50 Prozent der Feuerwehrtechnik und des Fahrzeugbestandes waren zerstört. Das, was noch vorhandene war, befand sich in einem katastrophalen Zustand. Die Entwicklung des Brandschutzwesens in Deutschland war um Jahrzehnte zurückgeworfen. Doch die Kameraden der Feuerwehr der Stadt Erfurt packten tatkräftig mit an und beseitigten Schäden am Gebäude und an den Fahrzeugen in unzähligen freiwilligen Arbeitsstunden. Auch unter schwierigen Bedingungen galt es, den Bürgern der Heimatstadt, die ab Juni 1945 zum Land Thüringen gehörte, im Katastrophenfall schnellstmögliche Hilfe zu leisten. Dafür standen 83 Feuerwehrmänner der Berufsfeuerwehr bereit, die für 176.633 Einwohner den Feuerschutz sicherten. Zum 1. April 1950 wurde das Brandschutzwesen im Land Thüringen von der Deutschen Volkspolizei übernommen. Die Berufsfeuerwehr Erfurt agierte ab diesem Zeitpunkt unter der Bezeichnung Kommando Feuerwehr. Im Zuge dieser Entwicklung ging auch die personelle, materielle und finanzielle Verantwortlichkeit der Freiwilligen Feuerwehren von der Stadt an die Deutsche Volkspolizei über. Eine moderne Feuermelde- und Alarmzentrale löste 1962 die veraltete Siemens-Feuermeldeanlage ab. An diese Anlage wurden 360 Melder angeschlossen, die im gesamten Stadtgebiet verteilt waren. Der eine oder andere kann sich sicherlich noch an die roten Feuermelder erinnern, die auf Knopfdruck einen Telefonhörer zur Durchgabe des Hilferufs freigaben. Auch die Mithilfe der Bevölkerung im Brandschutz war gefordert. So wurde in den Wintermonaten die Bevölkerung über Stadtfunk und Lautsprecherwagen aufgefordert, die Hydranten schnee- und eisfrei zu halten. Ab 1990 wird die Bezeichnung „Berufsfeuerwehr Erfurt“ wieder eingeführt. Die Überführung der Feuerwehr aus dem Ministerium des Inneren an die Kommunen wird vorbereitet. Dazu wurden im Zuge des Neuaufbaus der Verwaltungsstrukturen der Stadt für die einzelnen Aufgabengebiete Dezernate geschaffen. Im Dezernat Ordnung und Sicherheit wurde das Brandschutz- und Rettungsamt integriert. Ab 1. Juli 1991 erfolgte die Übernahme der Berufsfeuerwehr durch die Stadt, nachdem bereits zum 1. Mai 1991 die materiell-technische Sicherstellung der Berufsfeuerwehr an die Stadt übertragen worden war. Nachdem am 28. September 1993 die Genehmigung für den Bau eines Gefahrenschutzzentrums im Norden von Erfurt erteilt worden war, erfolgte am 30. November 1993 die Grundsteinlegung für den 38,5 Millionen DM teuren Bau. Bereits am 7. September 1994 konnte in der St.-Florian-Straße Richtfest gefeiert werden. Nach Fertigstellung des damals modernsten Gefahrenschutzzentrum Deutschlands erfolgte am 17. April 1996 die Umsetzung der Einsatzabteilungen von der „Alten Feuerwache“ am Juri-Gagarin-Ring 112 in das neue Gefahrenschutzzentrum in der St.-Florian-Straße 4. Ab 1. Mai 1996 nahm die Rettungsleitstelle im Gefahrenschutzzentrum Erfurt die Arbeit auf. Sie ist ab dem 5. Juli 1996 Vertragspartner bei der Koordination der Rettungsdiensteinsätze des Landkreises Sömmerda, für den sie das Einsatzgeschehen der Rettungskräfte des DRK und ASB dirigiert. Auch die Alarmierung und Führung der Feuerwehren des Landkreises Sömmerda übernimmt ab diesem Zeitpunkt die Zentralen Leitstelle, die damit in einem Dispositionsgebiet von rund 280.000 Bürgern erreichbar ist. Nach 13 Jahren im Dauerbetrieb wurde die gesamte Kommunikationstechnik auf den neuesten technischen Stand gebracht und die Leitstelle mit neuem Funktionsmobiliar ausgerüstet. Die SEG (Schnelle Einsatzgruppe) Erfurt, bestehend aus 46 Einsatzkräften nahm im Jahr 2005 ihren Dienst auf. Sie kommt im Rettungsdienstbereich Erfurt bei Schadensereignissen unterhalb der Katastrophenschwelle zum Einsatz. Die Feuerwehr Erfurt führt eine Reihe von Sonderaufgaben, teilweise in Vertretung anderer Ämter der Stadt oder Eigenbetrieben durch, z. B. Tiereinsätze, Beseitigung von Kfz-Betriebsstoffen auf öffentlichen Verkehrsflächen, Beseitigung von Insekten. Der erste „Erfurter Tag der Rettung“ wurde am 1. Juli 2006 organisiert. Das Ziel ist die theoretische und praktische Weiterbildung der Kameradinnen und Kameraden im rettungsdienstlichen Bereich. Der Tag der Rettung gehört seitdem zum jährlichen Standardprogramm des Rettungsdienstes. Der Stadtrat von Erfurt gab am 29. November 2006 seine Zustimmung zum Feuerwehrbedarfsplan, der die personellen und materiellen Voraussetzungen für die erfolgreiche Sicherstellung der Gefahrenabwehr im Brandschutz und in der Allgemeinen Hilfe für die folgenden zehn bis 15 Jahre festschrieb. Am 5. September 2007 wurde ein Brandsimulationscontainer an die Berufsfeuerwehr übergeben. Nunmehr können die 180 Berufsfeuerwehrleute und 650 Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt Erfurt unter simulierten Bedingungen befähigt werden, schwierige Situationen, vertrauend auf ihre Einsatzkleidung und Atemschutztechnik zu meistern. Im Rahmen der Brandschutzerziehung für Kinder ist ab Juli 2009 eine Sachbearbeiterin für Brandschutzerziehung bei der Berufsfeuerwehr im Einsatz. Mit einem Investitionsaufwand von 12 Millionen Euro wird im II. Quartal 2010 der Startschuss für den Bau des Gefahrenabwehrzentrums Erfurt-Südost erfolgen. Das Einsatzspektrum hat sich in den vergangenen 100 Jahren wesentlich verändert. Standen zur Geburtsstunde der Berufsfeuerwehr noch Brandeinsätze im Vordergrund, nehmen heute Hilfeleistungen und Rettungsdiensteinsätze mit rund 75 Prozent eine dominierende Stellung ein. Bereits seit dem Jahr 2004 ist eine neue Feuerwache im Südosten der Landeshauptstadt im Gespräch, da die jetzige Feuerwache II nur eine Behelfslösung in einem gemieteten Objekt darstellt, und auch der Mietvertrag für die Rettungswache in der Puschkinstraße 2010 ausläuft. Feuer- und Rettungswache bilden das Fundament für das Gefahrenabwehrzentrum Erfurt Süd in Erfurt Melchendorf. Die Grundsteinlegung auf dem bereits reservierten Gelände an der Wilhelm-Wolff-Straße ist für das Frühjahr 2010 vorgesehen.
Rettungsdienst und Leitstelle
Auch der Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr – die BF wurde bereits 1910 mit dem Krankentransport beauftragt – kann auf eine 100-jährige wechselvolle Geschichte verweisen. Gemeinsam haben Berufsfeuerwehr Erfurt und Rettungsdienst eine lange, wenn auch nicht ununterbrochene Wegstrecke zurückgelegt. Heute zählt die personelle Besetzung der Feuer- und Rettungsleitstelle zu seinen wichtigsten Aufgaben. Der Rettungsdienst realisiert die Beratung und Ausbildung der Einsatzkräfte anderer Hilfsorganisationen, und sein Verdienst ist es, dass jeder Feuerwehrmann mindestens zum Rettungssanitäter ausgebildet ist. Am 1. April 1910, dem Gründungstag der Berufsfeuerwehr Erfurt, wurde im Feuerdepot in der Pergamentergasse ein von Pferden gezogenen Krankenwagen bereitgestellt. Die Pferde wurden von einem hierzu verpflichteten Unternehmer und die Begleitpersonen von der Sanitätsmannschaft des Roten Kreuzes gestellt. Anfang 1912 wurde das gesamte Krankentransportwesen der Berufsfeuerwehr angegliedert. Zur Betreuung von Verletzten richtet man auf der Feuerwache eine Unfallstation ein. Diese bewährt sich jedoch nicht wie erhofft, so dass der Schwerpunkt des Rettungswesens weiterhin auf dem schnellen Transport der Verunglückten in die Krankenhäuser lag. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde 1919 ein Sankra (Sanitätskraftwagen) von der Heeresleitung übernommen. Im Jahr 1943 wurden deutschlandweit die Strukturen des Krankentransports durch den „Führererlass“ vom 10. November 1942 und die Verordnung vom 10. Januar 1943 zerschlagen. Das Krankentransportwesen wurde in die Hände des Deutschen Roten Kreuzes – des einzigen noch existierenden Hilfsdienstes – gelegt. Entsprechend der Rundverfügung Nr. 13 vom 03. März 1947 wurde das Krankentransportwesen in der sowjetischen Besatzungszone den Gesundheitsämtern unterstellt und in der Folge dem Deutschen Roten Kreuz der DDR – nach dessen Gründung am 23. 10. 1952 – anvertraut. Die SMH der DDR (Schnelle Medizinische Hilfe) befand sich Mitte der 1970er-Jahre im Aufbau. Daher war der RTW der Berufsfeuerwehr anfangs noch ein Regelrettungsfahrzeug, d. h. es war im Lösch- und Rettungszug integriert. Im Laufe der Zeit erhöhten sich die Anforderungen an die Besatzung des RTW, die nicht nur zu Brandeinsätzen mitfuhren, sondern auch bei Herzinfarkten, Schlaganfällen oder auch Entbindungen, also in Situationen, bei denen es auf Minuten ankam, zum Einsatz ausrückten. Mit der Übergabe der Berufsfeuerwehr 1991 in die Trägerschaft der Stadt wurde auch das Sachgebiet Rettungsdienst von der DMH (Dringliche medizinische Hilfe) in die Struktur des Brandschutzamtes (ab 1995 Amt für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz) übernommen. Im Dezember 1992 verschmolzen die bisherige Rettungsleitstelle des DRK in der Mühlhäuser Straße und die Leitstelle der Feuerwehr in der Feuerwache am Juri-Gagarin-Ring. Die Koordination aller Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätze erfolgt nunmehr durch die Zentrale Leitstelle des Brandsschutzamtes, also auch die Einsätze, die von anderen Hilfsorganisationen im Rahmen des kassenärztlichen Notfalldienstes durchgeführt wurden. Mitte der 1990er-Jahre entsteht in Erfurts Norden ein modernes Gefahrenschutzzentrum. Erster Mieter in der St.-Florian-Straße war im Dezember 1995 der Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr Erfurt. Ein Lehrrettungsassistent, zehn Rettungsassistenten, fünf Krankenschwestern, 57 Rettungssanitäter und ein Rettungshelfer stehen für den rettungsdienstlichen Aufgabenbereich bereit. Neben der Berufsfeuerwehr sind im Rettungsdienst auch der Arbeiter-Samariter-Bund, das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter Unfallhilfe sowie der Malteser-Hilfsdienst tätig. Einsatzfahrzeuge dieser Hilfsorganisationen finden wir ebenfalls auf der neuen Rettungswache. Neben der zentralen Rettungswache in der St.-Florian-Straße stehen in der Puschkinstraße und in Waltersleben weitere Fahrzeuge und Mannschaften der Stadt bereit. Das Organisationssystem ist in Deutschland einzigartig und dient der Bewältigung der alltäglichen, aber auch der nichtalltäglichen Schadenslagen (Großschadensereignisse). Von Leitstelle werden alle Einsätze des Rettungsdienstes, sowohl in der Notfallrettung als auch im Krankentransport koordiniert. In Auswertung des Einsatzes zum Amoklauf am Gutenberg Gymnasium im April 2002 wurde eine Schnelle Einsatzgruppe Rettungsdienst (SEG), eine Notfallbegleitung im Bereitschaftsdienst sowie einen Lagedienstführer in der Leitstelle einzuführen. Die Menschen in Deutschland werden immer schwergewichtiger, ein großes logistisches Problem auch für den Rettungsdienst. Im September 2006 erfolgt aus diesem Grund der Umbau eines Rettungstransportwagens zum Schwerlast-Rettungswagen. Mit seiner Hilfe können nunmehr Personen bis zu einem Gewicht von 318 kg transportiert werden. Die integrierte Leitstelle im Gefahrenschutzzentrum Erfurt ist Anlaufstelle für Hilfesuchende bei der Notfallrettung, bei Krankentransporten, bei Bränden und allgemeinen Hilfeleistungen. Acht Leitstellen-Arbeitsplätzen stehen im 24-Stunden-Betrieb zur Verfügung. Drei weitere Arbeitsplätze und ca. 25 Abfrageplätze werden für außergewöhnliche Ereignisse vorgehalten. Diese Plätze befinden sich in Räumen, die im Regelbetrieb auch als Büroarbeitsplätze verwendet werden. Die integrierte Leitstelle wird derzeit erneuert. Dazu wird das vorhandene System (analoge Funknetze, digitale Funknetze sowie diverse drahtgebundene Dienste) in das neue Sprachkommunikationsnetzwerk der Stadtverwaltung Erfurt integriert.
Die Höhenretter der Berufsfeuerwehr
Auf der Grundlage einer Studie über Methoden zur Personenrettung aus hohen Bauwerken entwickelte sich in Berlin der „Spezielle Rettungsdienst der Feuerwehr“ (SRD). In Anlehnung an Arbeitsweisen des Deutschen Roten Kreuzes der DDR und unter Verwendung von Ausrüstungsgegenständen der Bergsteiger schuf sich die Feuerwehr eine Rettungseinheit, die unter allen Bedingungen und in allen Höhen am Haus wirksam werden kann, Personen aus Bauwerken zu retten bzw. zu evakuieren. In der Feuerwehr Erfurt wurde der Höhenrettungsdienst erstmalig 1986 aufgebaut.

Mit sehr viel Engagement und zum Teil primitiver Ausrüstung wurde eine Alternative geschaffen, um Menschen aus Ebenen zu retten bzw. zu evakuieren, die außerhalb des Einsatzbereiches einer Feuerwehrdrehleiter liegen. In der Zeit der Wende und der Wiedervereinigung wurden vielerorts die bestehenden Gruppen dieses speziellen Rettungsdienstes aufgelöst. Der 1994 neu gegründete Höhenrettungsdienst (HRD) der Berufsfeuerwehr Erfurt wurde mit Wirkung vom 4. September 1995 in seiner aktuellen Form in das diensthabende System übernommen. Da, wo herkömmliche Rettungstechniken nicht zum Erfolg führen, sind die Höhenretter im Einsatz. Mit sehr guter und umfangreicher Ausrüstung stellten sich einige Kollegen dieser neuen Aufgabe. Mit Unterstützung verschiedener Firmen, die Übungsobjekte (z. B. Kräne, Türme) zur Verfügung stellten, begann eine breitgefächerte Ausbildung. Diese beinhaltete umfangreiche, praktische Arbeit und Training in der Höhe, aber auch gutes theoretisches Wissen. Einige der Spezialisten des HRD bilden zusammen mit der Polizei das Team Helikopter Erfurt, um mit dem Hubschrauber schnell Hilfe zu gewähren. Das Ziel besteht in der weiteren Ausbildung von Kollegen, aber vorrangig im regelmäßigen Training der Handgriffe und der verschiedenen Techniken, mit deren Hilfe jeder beliebige Punkt an Gebäuden, technischen Anlagen, Felshängen, Gruben, Schächten u. ä. sicher erreichen kann.
Sport, Kultur und Traditionspflege der BF Erfurt
Am 9. November 1995 wurde der Sport- und Kulturverein der Berufsfeuerwehr Erfurt gegründet, der ausschließlich und unmittelbar ideelle, gemeinnützige und fördernde Zwecke zum Wohle der Berufsfeuerwehr Erfurt verfolgt, soweit diese der sportlichen und kulturellen Begegnung dienen sowie der Aus- und Weiterbildung in sportlicher, kultureller und feuerwehrtechnischer Hinsicht bei der Berufsfeuerwehr förderlich sind. So werden auch feuerwehrspezifische Wettkämpfe gefördert und ständig ausgebaut. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Arbeit ist die Förderung kultureller Maßnahmen und der Brandschutzerziehung. Da die Vereinsarbeit sich nicht allein mit Mitgliedsbeiträgen realisieren lässt, gilt all den Sponsoren und Förderern ein ganz besonderer Dank. Die Ausgestaltung und Organisation der Tage der offenen Tür der BF Erfurt gehört zu den Aufgaben des Vereins. Am 21. Juni 1996 wurde die Feuerwehrkameradschaft Erfurt e. V. gegründet. Ehemalige Feuerwehrmänner engagieren sich im eingetragenen Verein. Sie haben sich der Traditionspflege und dem Zusammenhalt mit den noch aktiven Feuerwehrleuten verschrieben. Die Verbindung zur Berufsfeuerwehr wird aktiv aufrecht erhalten und Informationen über Aktivitäten laufen in beide Richtungen. Die ehemaligen Feuerwehrmänner sind eifrig dabei, Material über vergangene Feuerwehr-Jahrzehnte zu sammeln. Sie sind es auch, die mit tatkräftiger Unterstützung der Kameradinnen und Kameraden der BF und der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt die historische Ausstellung in Erfurt-Kerspleben betreuen und ständig erweitern. Das Erstellen der umfangreichen Chronik zum diesjährigen Jubiläum ist ein großer Verdienst der Feuerwehrkameradschaft.
Karsten Saupe
Dipl.-Ing. für Bauwesen
Landeshauptstadt Erfurt
Stadtverwaltung
Amt für Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz
Abteilung Gefahrenvorbeugung/Pressesprecher
Besondere Einsätze
Die größten Einsätze der Berufsfeuerwehr, von denen sich einige im Bewusstsein der Erfurter Bürgerinnen und Bürger im wahrsten Wortsinne „eingebrannt“ haben:
+ 11.06.1981 – Zugunglück, Erfurt-Bischleben
+ 02.06.1985 – Brand der Erfurter Ölmühle
+ 27.06.1985 – Brand Centrum Warenhaus, Anger
+ 10.09.1985 – Ammoniakunfall Pförtchenbrücke
+ 06.02.1986 – Dachstuhlbrand, Anger 57, Angerkino
+ 13.01.1992 – Brand Juri-Gagarin-Ring 126c
+ 06.04.1994 – Lagerhallenbrand, Mittelhäuser Str.
+ 12.04.1994 – Hochwasser in Erfurt
+ 17.09.1998 – VKU Lkw undPkw, Martin-Alexander-Nexö-Str.
+ 06.09.1999 – Technische Hilfe, Pkw auf Betonzaun, Niedernissa
+ 01.12.1999 – Technische Hilfe, Lichtmast im Stadion umgeknickt
+ 23.11.2000 – Brand Moritzhof
+ 26.04.2002 – Amoklauf Gutenberg Gymnasium
+ 16.08.2002 – Jahrhunderthochwasser, Technische Hilfe, Prettin
+ 21.02.2004 – Gebäudebrand, Zittauer Str. Gispersleben
+ 23.08.2006 – Brand Haus Dacheröden
+ 30.04.2007 – Gebäudebrand Kurhaus Hochheim
+ 17.07.2008 – Brand Gildehaus
+ 06.08.2008 – VKU Pkw, BAB 4, Richtung Dresden
+ 05.08.2008 – Lkw-Brand und Sprayflaschen, BAB 4 Richtung Dresden
+ 16.01.2010 – Brand Studentenwohnheim
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