Nicht nur die Eigentümer fürchten sich vor einem Brand ihres Reetdaches, auch die beteiligten Feuerwehren stehen zumeist vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Kommt es zu einem Reetdachbrand, sind Einsatzstärken von 100 und mehr Löschkräften sowie Einsatzzeiten von mehreren Stunden bis zu einem Tag keine Seltenheit. In FEUERWEHR Heft 3/2010 wird ein neuartiges Brandschutzsystem für Reetdächer vorgestellt und Möglichkeiten der effektiven Brandbekämpfung aufgezeigt. Außerdem werden die Vor- und Nachteile des vorbeugenden Schutzes der benachbarten Reetdächer mit Schäumen oder Netzwasser diskutiert.
Liest man Einsatzberichte oder Artikel zu Reetdachbränden oder spricht mit Einsatzkräften, wird häufig deutlich, dass es an Kenntnissen oder Hinweisen für eine effektive Brandbekämpfung fehlt. Zumeist wird die Feuerwehr frühzeitig alarmiert und trifft so rasch ein, dass sie noch einen kleineren Entstehungsbrand vorfindet. Dieser kann mit geringen Mengen Wasser oberflächlich gelöscht werden, wenn er reichbar ist. Doch bei einem Reetdach breitet sich das Feuer in der Tiefe bzw. auf der Innenseite weiter aus. Ist der Dachraum ausgebaut oder stark verraucht, bieten sich von hier nur wenige Möglichkeiten eines Angriffs. Was ist in diesen Fällen zu tun? Neben einer ausreichenden Kühlung der Dachfläche ist die Eindeckung in einigem Abstand zum Brandherd zu öffnen, um so eine Schneise zu bilden, an der eine weitere Brandausbreitung verhindert wird. Dies setzt jedoch voraus, dass die brennenden Bereiche auch erreicht werden können. Vielfach reichen hierfür die üblichen Leitern nicht aus. In Gebieten mit häufig vorkommenden Reetdachbränden oder einer großen Anzahl an reetgedeckten Gebäuden ist daher die Anschaffung einer ausreichenden Menge von Deckstühlen – kurze Leitern mit 3 bis 4 Sprossen, die mit Haken in die Drähte der Reeteindeckung gehängt werden können – zu empfehlen.
Einsatz von Löschwasserzusätzen
Für den Einsatz des Wassers bei Reetdachbränden zum Kühlen und Löschen kann folgendes empfohlen werden: Die Verwendung von Netzmittel oder Schaum ist nur in sehr begrenztem Umfang zweckmäßig. Hierzu zählt die Anwendung bei losem Reet, das bereits vom Dach heruntergeholt wurde, zum Löschen möglicher Glimmbrände. Des Weiteren führt der Einsatz im Bereich von oberflächlich brennendem Reets sowie bei Heide- oder Sodenfirsten zu schnelleren Löscherfolgen.
Bei intakten Reetflächen eines brennenden Objektes sollte auf das Besprühen von Wasser mit Netzmittel verzichtet werden. Derart versetztes Wasser dringt nicht viel weiter ins Reet ein und verweilt auch nicht länger auf der Dachfläche. Da die Halme eines Reetdaches abwärts weisen und ein sehr dickes, dichtes Paket bilden, gelangt das Wasser mit Netzmittel nicht in tiefere Schichten oder durchdringt die Eindeckung. Bei einer derartigen Anwendung kann es sogar zu einigen negativen Effekten kommen. So führt eindringendes mit Netzmittel versetztes Wasser zu Schäden im Dach oder in darunter befindliche Holzkonstruktionen sowie in Einrichtungen im Wohnbereich.
Netzmittel bietet keinen Schutz
Auf keinen Fall sollte Netzmittel oder Schaum jedoch zum Schutz benachbarter reetgedeckter Dächer verwendet werden. Denn diese dringen, wenn auch geringfügig, weiter ins Reet als reines Wasser ein und führen so zu einer intensiveren Durchfeuchtung der normalerweise trockenen Schichten. Da diese Schichten nur sehr langsam oder gar nicht trocknen, kann dies zu einer Schädigung des Daches und somit mit zu einer geringeren Haltbarkeit führen. Dipl.-Ing. Steffen Slama