Der Großbrand in einem Hallenkomplex in Thaden bei Hanerau-Hademarschen (Schleswig-Holstein) stellt die über 100 Feuerwehrleute vor große Probleme. Denn auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Dach ist eine Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) installiert, die aus Sonnenlicht rund 20.000 Volt Strom erzeugt und in das Mittelspannungsnetz der E.ON einspeist. Die Kollektoren erzeugen permanent Strom und lassen sich nicht abschalten.

Mit dem Alarmstichwort „Scheunenbrand“ wurde die FF Hanerau-Hademarschen alarmiert. Eine rund 30 x 30 m große Fläche brannte etwa in der Mitte eines 8.000 Quadratmeter großen Dachbereichs. In einem Zwischenboden lief die gesamte Elektrik der Photovoltaikanlage zusammen, wo sich auch der Haupttrafo (Wechselrichter) der Anlage befand. Was genau an dieser Stelle brannte, war nicht einsehbar. Die Hallen stehen bereits seit einigen Jahren leer.
Da von den Gebäudeseiten nicht an den Brandherd heranzukommen war, forderte der Einsatzleiter die Teleskopmastbühne der benachbarten FF Rendsburg an. Mit dem 42 m langen Teleskoparm konnten dann die nicht zugänglichen Stellen des Daches problemlos erreicht werden. Unklar war lange Zeit, ob und wo noch Spannung auf den unversehrten Kollektoren anlag. Daher war der unmittelbare Einsatz von Wasser verpönt. Aufgrund der Einsturzgefahr des Dachs war auch ein Innenangriff nicht möglich.
Erst nachdem ein Techniker der Herstellerfirma vor Ort war und alle 90 Wechselrichter der Anlage abgeschaltet sowie noch funktionsfähige Kollektoren von den so genannten „Strings“ (Zusammenschluss mehrerer Kollektoren) im Brandbereich abgetrennt hatte, konnte relativ gefahrlos im unmittelbaren Brandbereich gearbeitet werden.

Dennoch wurden die Löscharbeiten zur Sisyphusarbeit. Die Glutnester waren nur über die Teleskopmastbühne zu erreichen. Im Korb der Bühne auf dem Bauch liegend, sägen Atemschutzgeräteträger Löcher in das Blechdach (siehe Foto) und fluten die Hohlräume unter der Dachhaut mit Schaum – eine zeit- und kräftezehrende Arbeit. So konnte erst nach gut fünf Stunden konnte „Feuer aus“ gemeldet werden. Lediglich eine Brandwache blieb vor Ort.
Im Einsatz waren sechs Freiwillige Feuerwehren mit über 100 Einsatzkräften, Polizei und zur Absicherung der Atemschutzgeräteträger eine Rettungswagenbesatzung.
Holger Bauer
Einsatzhinweise Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen)
Gefahren für die Einsatzkräfte
Nach dem allgemeinen Gefahrenschema können beim Brand von PV-Anlagen folgende Gefahren auftreten:
1. Gefahren durch Elektrizität
+ Gefahr durch Gleichstrom:
Spannungen bis zu 900 Volt liegen an.
Nach DIN VDE 0100 ist die Berührung einer Gleichspannung von mehr als 120 Volt lebensgefährlich.
+ Höchste Gefährdung am Tage (bei Sonnenlicht), die Sicherheitshinweise gelten jedoch auch für den Nachteinsatz.
+ Die Gleichspannung liegt von den Solarzellen bis zum Wechselrichter (wandelt die Gleichspannung für die Einspeisung ins Netz in Wechselspannung um) an, der irgendwo im Haus steht.
+ Eine selbsttätige Schaltstelle (ENS*) zwischen der Erzeugungsanlage und der Netzeinspeisung sorgt für das Abschalten der Anlage bei Nacht/Dunkelheit. An dieser Schaltstelle ist zu erkennen, ob Strom fließt oder nicht.
+ Wenn sich Spannung führende Teile zwischen Solarzellenmodul und der Schaltstelle (fast) berühren, entsteht ein Lichtbogen, der bei Gleichspannung „länger stehen bleibt“.
+ Die Leitung zwischen dem Solarmodul und dem Wechselrichter führt trotz gezogener Hauptsicherung oder Umlegen des Hauptschalters weiterhin Strom!
+ Die unterschiedlichen Einbauorte des Wechselrichters und der selbsttätigen Schaltstelle zur Netzüberwachung sind nicht vorgeschrieben, sodass theoretisch Leitungen im gesamten Gebäude vorhanden sein können.
+ Die Sicherheitsabstände bei Einsätzen in elektrischen Anlagen (§ 29 Abs. 2 GUVV C53 und DIN VDE 1032 „Brandbekämpfung in elektrischen Anlagen“) beachten. Mindestabstände:
zu spannungsführenden Anlagenteilen 1 m
zur Brandbekämpfung mit Sprühstrahl und CM-Strahlrohr 1 m
zur Brandbekämpfung mit Vollstrahl und CM-Strahlrohr 5 m
2. Gefahren durch Einsturz/Absturz
Die Befestigung der Solarmodule auf dem Dach erfolgt auf unterschiedlichste Weise. Durch Brandeinwirkung können diese gelöst werden was zu deren Absturz führen kann. PV-Module sind auch nicht in Bauteilklassen bzw. Feuerwiderstandsklassen eingeteilt. Es gibt keine Aussagen zu deren Brandverhalten. Oft stürzen sie samt der Dachkonstruktion/Teilen der Dachkonstruktion ein. + Bei sehr starkem Wind besteht die Gefahr, dass sich einzelne Solarmodule aus der Befestigung lösen und herabstürzen. + Das Betreten der Module ist grundsätzlich (auch bei Rettungsmaßnahmen) zu vermeiden, da die Oberflächenverglasung brechen kann oder die Befestigungselemente überlastet werden können.
3. Gefahren durch Atemgifte:
Im Brandfall werden bedingt durch die elektrischen Leitungen (Kabelisolierungen) und Bauelemente aus (teilweise) Kunststoffen toxische Brandgase freigesetzt.
Quellen: www.lfs-bw.de

Erläuterungen:
*ENS Eine Einrichtung zur Netzüberwachung mit zugeordneten Schaltorganen (ENS) ist eine automatische Freischaltstelle für Stromerzeugungsanlagen (bis 30 kWp). Sie garantiert, dass sich der Wechselrichter bei Stromausfall oder Netzabschaltung auf jeden Fall selbständig vom Stromnetz trennt, um eine Inselbildung und dadurch erfolgende Rückspeisungen in das Stromnetz, die möglicherweise zu gefährlichen Auswirkungen führen könnten, zu verhindern. Seit 2005 heißt die Freischaltstelle nicht mehr „Einrichtung zur Netzüberwachung mit zugeordneten Schaltorganen“ sondern „Selbsttätige Schaltstelle zwischen einer netzparallelen Eigenerzeugungsanlage und dem öffentlichen Niederspannungsnetz“ (Vornorm DIN V VDE V 0126-1-1, Februar 2006). Quellen: www.lfs-bw.de