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Notausgang

Evakuierung bei Tunnelbränden

Die Universität der Bundeswehr in München entwickelt Evakuierungssysteme, um bei Tunnelbränden Personen schnellstmöglich zu evakuieren.

Es soll eine Zigarettenkippe gewesen sein, die im Motorraum eines Lkw ein Feuer entzündete, das sich im März 1999 im Montblanc-Tunnel zu einem Inferno ausbreitete. In kurzer Zeit heizte das Feuer die Tunnel-Röhre auf über 1.000 Grad auf. Durch die dabei entstandene Wärmestrahlung sprangen die Flammen auf die benachbarten Fahrzeuge über. Eine Kettenreaktion begann. 39 Menschen starben. Die Feuerwehr konnte nicht helfen. Bis ein Vordringen zum Brandherd möglich wurde, dauert es über vierzig Stunden.

Brände in Autotunneln können verheerend sein, wie zahlreiche Beispiele aus der Vergangenheit zeigen. Vor allem weil sich Brände sehr schnell ausbreiten und die Evakuierung der Fahrzeuginsassen in einem Tunnel deutlich schwieriger ist als im Freien. Zu dem kommt, dass Rauch und Lärm die Orientierung besonders erschweren. Wie eine schnelle und richtige Orientierung der Personen in einem Autotunnel optisch und akustisch unterstützt werden kann, untersuchte Prof. Berthold Färber mit seinem Team an der Universität der Bundeswehr München im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Um zu untersuchen, wie Personen aus einer verrauchten Umgebung schnellst-möglich evakuiert werden können, wurden in einer Bunkeranlage verschiedene Leitmöglichkeiten experimentell untersucht. Theaterrauch und Lärm-Beschallung sollten das Szenario möglichst real erscheinen lassen.
Zur optischen Orientierung standen Lauflichter, Dioden-Laser-Module, Handläufe sowie eine Kombination daraus zur Verfügung.
Als beste Orientierungshilfe bewährte sich eine Kombination aus Lauflicht, Handlauf und Laser.

Insassen müssen „rausgelockt“ werden
Zudem wurden die akustischen Möglichkeiten untersucht, wie die Fahrzeuginsassen dazu bewegt werden können ihren Pkw zu verlassen und sich schnellstmöglich und zielsicher zu den Notausgängen zu bewegen. Da sich viele Personen trotz Gefährdungen in ihrem Pkw vermeintlich sicher fühlen, ist es besonders wichtig sie zu einem Verlassen des Fahrzeugs zu bewegen.
In den Experimenten stellten die Wissenschaftler fest, dass der Bass-Sound "Sägezahn" und ein dunkler Ton aus der Orgelpfeife am erfolgreichsten dabei sind. Die tiefen Frequenzen werden mehr im Bauchraum gefühlt als gehört und als unangenehm empfunden.
Im nächsten Schritt müssen die Flüchtenden zu den Notausgängen „gelockt“ werden. Dazu wurden u. a. verschiedene Vogelstimmen, Musikinstrumente, eine Singstimme ("Hier her"), eine Sprechstimme (z. B. "Please, exit here"; "Der Notausgang ist hier") und weißes Rauschen erprobt. „Als besonders geeignet zeigte sich die Singstimme „Hier her“ in Kombination mit dem Lockgesang des Rotkehlchens, das mit weißem Rauschen hinterlegt ist. Diese Kombination unterstützte 80 Prozent der Versuchspersonen beim Finden der rettenden Notausgänge“, erklärt Prof. Färber. Selbst ältere Tunnel könnten mit geringem Aufwand mit diesem akustischen Alarmsystem nachgerüstet werden.

Alarmierenden Kenntnisstand
Als Ausgangsbasis des Forschungsprojektes diente eine Internetbefragung mit über 400 Personen aller Altersgruppen über den Wissensstand der Nutzer, z. B. zur Ausstattung von Tunneln und Verhaltensweisen.
Die Ergebnisse sind alarmierend: So würden beispielsweise 16 Prozent der Befragten im Fahrzeug bleiben, wenn im Tunnel Feuer und Rauch zu sehen sind, 19 Prozent wissen nicht, was zu tun ist. Die Zeit, die bei einem Brand bis zur Evakuierung zur Verfügung steht, wird von 42 Prozent der Befragten überschätzt. Wie auch eine Analyse des Verhaltens bei früheren Tunnelbränden zeigt, unterschätzen die Betroffenen die Dramatik der Situation und erleben das Fahrzeug als Schutzraum. Sie bleiben daher bei Feuer und Rauch zu lange im Fahrzeug sitzen. Zusätzlich wurde eine Umfrage unter Tunnelbetreibern durchgeführt, um den aktuellen sicherheitstechnischen Stand sowie den Umfang der Notfallpläne zu ermitteln.
Michael Brauns

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