Nachdem der Main-Taunus-Kreis anlässlich der Messe Interschutz im Jahre 2005 sein Dekon-Konzept für Fahrzeuge und Geräte – kurz Dekon-G – vorgestellt hatte, ergab sich im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft 2006 die Forderung nach der Fähigkeit, nicht gehfähige Verletze zu dekontaminieren.
Dieser Herausforderung hat sich der Main-Taunus-Kreis gestellt und ein Konzept zur Dekontamination nicht gehfähiger Verletzter entwickelt.
Grundforderung war, dass möglichst viele Elemente der bereits bestehenden Komponenten Dekon-G und Dekon-P – letztere basierend auf der Ausstattung des Bundes – übernommen werden. Dies hat den Vorteil der Gerätegleichheit, was letztendlich dazu führt, dass auch die Helfer – die größte Mangelressource – in allen Dekon-Gruppen eingesetzt werden können.
Weitere Forderungen an die Ausstattung waren:
- leicht verlastbar,
- mit wenigen Helfern aufzubauen und zu betreiben,
- notfalls autark, auch ohne Anbindung an die Dekon-P zu betreiben,
- hoher Eigenschutz für die Helfer,
- Einsatz von Fachpersonal – also Sanitäter.
Hieraus ergab sich die Festlegung auf eine Zeltkonstruktion.
Die Dekon-V wird in einer Zeltstraße aufgebaut, wobei jedes der Zelte einen bestimmten Arbeitsbereich abdeckt. Selbstverständlich sind die Zelte fest miteinander verbunden um eine durchgängige saubere Dekontamination zu gewährleisten.
Patientenrollbahn
Auf der „Roten“ – also der schmutzigen – Seite steht ein luftgestütztes Zelt von 25 m² Grundfläche. Dieses Zelt wurde nach Vorgaben des Main-Taunus-Kreises dahingehend modifiziert, dass 2/3 der Außenhaut aufroll- und aufstellbar sind. Mit dieser Konstruktion lassen sich zwei Effekte erreichen:
- Bewetterung des Zeltes zur Verringerung von Schadstoffkonzentrationen,
- Vergrößerung der Überdachten Fläche zur Ablage weiterer Verletzter.
In diesem Bereich findet die Entkleidung, Spotdekontamination und Erstversorgung der zu dekontaminierenden Verletzten statt. Hier werden sie auf die Patientenrollbahn umgelagert, mit deren Hilfe sie höchst schonend durch die einzelnen Stationen der Dekontamination bewegt werden.
Angekoppelt ist ein luftgestütztes Zelt von 30 m², die sogenannte „Gelbe“ Zone. Hier findet die eigentliche Dekontamination statt. Drei Helfer, wovon mindest einer eine Sanitäterausbildung vorweist, waschen hier die Verletzten. Begonnen wird am Kopf, da dieser mangels Bedeckung wohl die stärkste Kontamination aufweisen wird.
Eine Besonderheit dieser Station ist die Wasserversorgung. Hier kommt der Durchlauferhitzer/Warmwasserversorger der Fa. „Personen, Rettungs- und Sicherheitssysteme – Peter Gies –aus Fulda“ zum Einsatz. Dieses Gerät kann auf die für die Dekontamination erforderliche Temperatur eingestellt werden, besitzt aber mit einer möglichen Wassertemperatur von ca. 90 °C die Fähigkeit der feldmäßigen Dekontamination/Desinfektion der Wasser führenden Armaturen und Schläuche vor dem eigentlichen Dekontaminationseinsatz. Im Hinblick auf die Trinkwasserrichtlinie der EU eine wichtige Eigenschaft.
Zeltstadt
In den beiden bisher beschriebenen Stationen arbeiten die eingesetzten Helfer unter Schutzanzug mit Maske und Schraubfilter ABEK P3. Für den Einsatz von nicht atemschutz-tauglichen Ärzten werden seitens dieser Einheit noch vier über ein Gebläsesystem von Scott belüftete Vollgesichtsmasken vorgehalten, die kompatibel zu den hier eingesetzten Schutzanzügen von 3S Arbeitsschutz GmbH aus Düsseldorf sind.
Nach der Dekontamination werden die abgetrockneten und provisorisch bekleideten Patienten in den „Grünen“ Bereich weitergeleitet. Dieser besteht aus einem luftgestützten Zelt mit einer Grundfläche von 50 m². In diesem werden die Patienten entweder direkt an den Rettungsdienst oder eine Sanitätseinheit übergeben oder auf Krankentrageböcken gelagert, medizinisch nach versorgt und betreut. Die Größe des Zeltes erlaubt hier eine temporäre Unterbringung von bis zu sechs Patienten.
Diese Zelteinheit mit ihren universellen Verbindungselementen wurde zusammen mit der Firma INHAG aus Schlüchtern entwickelt. Sie gibt dem MTK unabhängig von Dekon. Lagen die Möglichkeit, alle luftgestützen Zelte der Dekon- und San-Einheiten notfalls zu einem großen „Zelt“ zu verbinden. Hierbei handelt es sich dann um: - ein Zelt mit 20 m² - zwei Zelte mit 25 m² - fünf Zelte mit 30 m² - ein Zelt mit 50 m² - ein Zelt mit 65 m² insgesamt also 335 m² zusammenhängende Zeltfläche.
Luftstrom
Um nun eine Kontaminationsverschleppung durch die gekoppelten Zelte im Rahmen der Dekontaminationsarbeiten zu verhindern, wird hier mit relativ einfachen Mitteln eine physikalische Sperre errichtet. Das Zelt im „Grünen“ Bereich wird mittels einer 40 kW–Zeltheizung KFH 40 aus dem militärischen Produktbereich der Firma Kärcher aus Winnenden beheizt. Neben dem so erzeugten Temperaturgefälle von „Grün“ nach „Rot“ sorgt die Leistung von 2.100 m³ Luftvolumenstrom pro Stunde für den notwendigen Effekt. 
Um die genannten Gerätschaften zu betreiben zu können und die erforderliche Beleuchtung der Anlage sicherzustellen wird die benötigte elektrische Leistung durch ein schallgedämmtes Aggregat von Geko-Eisenmann aus Gemmingen der Größe 13,5 kVA sichergestellt. Für die Zelt- und Umfeldbeleuchtung wurden Produkte von Setolite Lichttechnik aus Wermelskirchen gewählt.
Diese stellen mit ihrem niedrigen Stromverbrauch und der Robustheit die passenden Lichtquellen für diese Einrichtung dar.
Die Anlage zur Dekontamination nicht gehfähiger Verletzter ist so ausgelegt, dass ein Aufbau und Betrieb mit einer Gruppe (9 Helfer) zu bewerkstelligen ist. Hierfür sind bis zur Einsatzbereitschaft ca. 45 min zu veranschlagen. Um diese Zeit zu drücken wird künftig die SEG des THW – OV Hofheim zur Unterstützung mitalarmiert. Aus dieser Mannschaft rekrutiert sich dann auch die erste Ablösung.
Betrieben wird die Dekon-Gruppe-V vom Deutschen Roten Kreuz – Bereitschaft Bad Soden a. Ts. Diese Bereitschaft hat schon in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Rettung für Einsatzkräfte im C-Einsatz sichergestellt und verfügt auch heute noch über eine relativ große Zahl atemschutztauglicher Helfer, darunter auch einige mit Ausbildung zum Tragen von schwerem Atemschutz. Zur Zeit arbeiten in der Dekon-Gruppe-V des DRK – OV Bad Soden a. Ts. 16 Helfer.