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FEUERWEHR ist als überregionales, unabhängiges Feuerwehr- und Brandschutzfachmagazin das Fachorgan für Feuerwehrmitglieder, Entscheidungsträger aus dem Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, sowie offizielle Mitgliederinformation verschiedener Landesfeuerwehrverbände.

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Ehrenamtliche Helfer sind Vorbilder

Interviews mit Verantwortlichen aus dem Feuerwehrwesen

Das Jahr 2010 soll für die Feuerwehren in Deutschland ein ganz Besonderes werden. Die Interschutz „Roter Hahn“ und der Deutsche Feuerwehrtag im Juni in Leipzig werden die Höhepunkte des Jahres sein. Vereine und Verbände bereiten sich intensiv auf dieses Ereignis vor. Doch viele Wehren beschäftigen andere Probleme. Die Folgen der Finanzkrise treffen nun auch die Kommunen mit voller Wucht. Dazu kämpfen die Wehren mit sinkenden Mitgliederzahlen und fehlender Anerkennung des Ehrenamtes.

Motivation für Feuerwehren
FEUERWEHR befragte den Bundesinnenminister Thomas de Maizière sowie weitere Spezialisten aus dem Feuerwehrbereich zu Problemen und Perspektiven des Ehrenamtes und des Brandschutzes in Deutschland.

FEUERWEHR:
Sehr geehrter Herr Minister, Deutschland hat ein hohes Niveau des Bevölkerungsschutzes. Das System bezieht seine besondere Stärke gerade aus der Zusammenarbeit mit den vielen freiwilligen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Doch die Mitgliederzahlen sinken. Was können Sie dazu beitragen, dieses System weiter zu stärken?
Dr. de Maizière: Wir dürfen es nicht einfach als Naturgesetz hinnehmen, dass es zunehmend schwieriger wird, flächendeckend ausreichend freiwillige Helfer zu finden, sondern müssen immer wieder neue Impulse setzen: durch Beratung, Ausstattungshilfen und positiven Beispielen. So haben wir am 5. Dezember 2009 erstmalig den Förderpreis des Bundesministeriums des Innern für das Ehrenamt im Bevölkerungsschutz verliehen. Mit dem Preis wurden beispielhafte Projekte in den Bereichen Nachwuchsarbeit, innovative Mitgliederwerbung und Arbeitgeberverhalten ausgezeichnet. So erhielt die Freiwillige Feuerwehr Kettig - für ihren Nachwuchswerbefilm "Du bist die Feuerwehr", der im Internet gezeigt wird - den mit 7.500 Euro dotierten ersten Preis in der Kategorie Nachwuchs- und Jugendarbeit. Zukünftig soll der Preis jedes Jahr am 5. Dezember, dem „Internationalen Tag des Ehrenamtes“ verliehen werden. Auch im Koalitionsvertrag wurden Ehrenamtliche ausdrücklich als Vorbilder unserer Gesellschaft genannt. Und völlig zu Recht wird das Ehrenamt auch im neuen Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz, das im April 2009 in Kraft getreten ist, ausdrücklich erwähnt und gewürdigt. Mit der Frage der zukünftigen Entwicklung der Mitgliederzahlen in den Hilfsorganisationen befassen wir uns einerseits in Gesprächskreisen und Workshops. Wir unterstützen die Organisationen und interessierte Mitglieder andererseits ganz praktisch beispielsweise bei Messen, speziell konzeptionierten Kleinausstellungen, Werbeplakaten oder Broschüren. Hier unterstützt das BBK mit vielfältigen Angeboten gezielt die Helferinnen und Helfer in den Ortsvereinen der Organisationen bei deren Öffentlichkeits- und Werbearbeit. Als Bundesinnenminister, der mit der inneren Verfasstheit des Landes betraut ist, muss ich aber auch hinzufügen, dass die Aufgabe Katastrophenschutz zunächst und zuvörderst von den Ländern getragen wird. Das ist unserer Verfassung geschuldet. Der Bund ist zuständig für den Zivilschutz und unterstützt die Länder bei deren Bemühen im Katastrophenschutz. Das tun wir insbesondere auch durch die Ausstattung mit modernen Fahrzeugen und Gerät, die den neuen Herausforderungen und Ansprüchen im Bevölkerungsschutz gerecht werden sollen. Der Bund wird ab 2010 neue Bundesausstattung, insbesondere die Fahrzeuge der Analytischen Task Force (ATF), die Fahrzeuge der Medizinischen Task Forces (MTF), sowie vor allem auch ABC-Erkunder ausliefern und unter die Führung und Verteilung durch die Länder stellen. Ich hoffe, dass durch dieses moderne Gerät auch zusätzliche Motivation in die Feuerwehren getragen wird.
FEUERWEHR: Welche Stellung nimmt das Innenministerium zum Ehrenamt bei der Feuerwehr ein?
Dr. Th. Maizière: Ich messe der Förderung des ehrenamtlichen Engagements gerade auch im Bevölkerungsschutz eine hohe Bedeutung zu. So wie die Bundesregierung insgesamt möchte auch ich die Leistungen von Ehrenamtlichen noch stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken und dafür werben, selbst aktiv zu werden. Die Bereitschaft für gesellschaftliches Engagement wird in jungen Jahren gelegt. Ein Kind oder Jugendlicher, der die Erfahrung macht, dass gesellschaftliches Engagement dazu gehört und Spaß macht, ist auch als Erwachsener viel eher bereit, gesellschaftliches Engagement zu übernehmen. Jungen Menschen, die über gute soziale Kompetenzen verfügen, Respekt, Wertschätzung und Zuneigung erfahren, zeigen mehr Bereitschaft sich zu engagieren. Gestärkt werden diese Faktoren durch universelle frühkindliche Förderung insbesondere in Kindergärten und Schulen. Die ehrenamtlichen Helfer sind für mich Vorbilder für unsere Gesellschaft. Ich bedanke mich für deren gesellschaftliches Engagement. Dies gilt natürlich auch und im Besonderen für die vielen Helferinnen und Helfer in den Feuerwehren! Anregen möchte ich auch die Frage, wie ein höherer Anteil von Frauen in den Feuerwehren gelingen kann - ebenso von Mitbürgern mit Migrationshintergrund. Hier liegen stille Ressourcen, die die Einsatzfähigkeit der Einheiten stärken und die Integration als gesamtgesellschaftlich stabilisierendes Moment fördern.
FEUERWEHR: Werden Sie in Leipzig zur „Interschutz“ dabei sein und wie wird sich das Innenministerium auf der Interschutz präsentieren?
Dr. Th. Maizière: Sehr gern habe ich die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen und freue mich, an der Eröffnung teilzunehmen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wird sich mit einem 800 Quadratmeter großen Ausstellungsstand an der „Interschutz 2010“ beteiligen. Im Mittelpunkt der Ausstellung werden die Leistungspotenziale des Bundes im Bevölkerungsschutz stehen. Das neue Ausstattungskonzept des Bundes für den ergänzten Katastrophenschutz der Länder, das seit 2008 in Kraft ist und derzeit umgesetzt wird, wird bei dieser Präsentation einen besonderen Schwerpunkt bilden. Wir wollen die bereits erwähnten neuen Fahrzeuge ATF und MTF und insbesondere auch die neuen Löschfahrzeuge und Schlauchwagen für die Feuerwehr ausstellen. Daneben wird auch das THW auf der Messe vertreten sein, so dass der Bund die ganze Palette seines aktuellen Leistungspotentials im Bevölkerungsschutz präsentieren wird. Bewerbungen für den Förderpreis des Bundesministeriums des Innern für das Ehrenamt im Bevölkerungsschutz nimmt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) entgegen. Mehr Informationen zum Bevölkerungsschutz und zum Preis finden Sie unter www.bmi.bund.de und www.bevoelkerungsschutz-portal.de.

Für die Feuerwehr begeistern
Wir sprachen mit dem Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes DFV, Hans-Peter Kröger.
FEUERWEHR: Sie wurden im November als Präsident des DFV wiedergewählt, dazu unsere Gratulation. Wie beurteilen Sie die vergangenen sechs Jahre ihrer ersten Amtszeit?
Präsident Kröger: Das Bemühen um den Erhalt der Leistungsfähigkeit des bewährten, flächendeckenden Gefahrenabwehrsystems – eines meiner Versprechen beim Amtsantritt vor sechs Jahren – zog sich wie ein roter Faden durch meine Amtszeit. Diesen Weg haben wir mit verschieden großen Schritten beschreiten können. Ein ganz wesentlicher Teil der Arbeit war, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so mitzugestalten, dass sie unsere Arbeit fördern und nicht behindern: Grundlagen sichern für verlässliche Hilfe. Dies ist uns in den letzten Jahren, meine ich, gut gelungen.
FEUERWEHR: Welches waren in Ihrer Amtszeit die Höhepunkte und gab es Ereignisse, die Sie als Niederlage bezeichnen würden?
Präsident Kröger: Ein Höhepunkt war die Verlagerung der Bundesgeschäftsstelle nach Berlin. Dort ist es uns gelungen, das Netzwerk zwischen Feuerwehr, Politik und Wirtschaft noch enger zu knüpfen – unter anderem mit der Installation unserer „Berliner Abende“ mit zahlreichen Bundestagsabgeordneten. Dies wollen wir auch auf europäischer Ebene erreichen. Die Eröffnung der Vertretung der deutschen Feuerwehren bei der Europäischen Union bildete hierfür einen ersten Schritt. Ein wichtiger Punkt in meiner Amtszeit war auch die Bestätigung des Engagements des Bundes im Brandschutz im Zivilschutz – dies wirkt sich direkt auf unser flächendeckendes „Netz der helfenden Hände“ aus. Als zukunftsweisend möchte ich abschließend das Projekt für mehr Frauen in der Feuerwehr bezeichnen, das der Deutsche Feuerwehrverband mit Unterstützung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchführte. Diese Aktionen werden nun durch das Engagement vor Ort weiter ausgebaut. Natürlich gab es auch Situationen, die schwierig zu bewältigen waren und viel Kraft kosteten – rückblickend verblassen diese jedoch vor all den Erfolgen, die wir gemeinsam für die Feuerwehren in Deutschland erreichen konnten.
FEUERWEHR: In Ihrer Rede zum sechsten Verbandstag sagten Sie: „Die Zukunft will gestaltet werden“, und haben Themen wie Feuerschutzsteuer, Führerschein als Themen mit Sprengkraft bezeichnet. Was sind die Ziele des DFV für die kommenden Jahre?
Präsident Kröger: Das Auswachsen geburtenstarker Jahrgänge durch den demographischen Wandel und der soziale Wandel in Deutschland sind die großen Herausforderungen, denen sich das deutsche Feuerwehrwesen stellen muss. Dreh- und Angelpunkt bleibt das bürgerschaftliche Engagement: Wir wollen das Ehrenamt in Deutschland erhalten. Dazu bedarf es verlässlicher Rahmenbedingungen, eines aus sich heraus leistungsfähigen Gefahrenabwehrsystems und auch zukunftsfähiger Verbandsstrukturen. Vor allem vor dem Hintergrund des Vertrags von Lissabon gilt es, sich enger mit anderen Feuerwehrorganisationen auf internationaler Ebene auszutauschen. Die EU-Politik muss sich an flächendeckenden Systemen der zivilen Sicherheitsvorsorge und subsidiären Unterstützungsstrukturen nach deutschem Vorbild orientieren. Ein weiterer großer Schritt in diese Richtung nach der Einrichtung der Vertretung der deutschen Feuerwehren in Brüssel wird die erste Konferenz der Spitzenvertreter der Feuerwehren in Europa sein, die wir im Rahmen des 28. Deutschen Feuerwehrtages im Juni dieses Jahres in Leipzig veranstalten werden. Bei der Umsetzung unseres Strategieprogramms „DFV 2020“ stehen die Stärkung der Selbsthilfe, moderne Ausbildungsmöglichkeiten, der besondere Schutz des Ehrenamtes - auch vor dem Hintergrund des EU-Rechts - im Mittelpunkt. Ehrenamtliche Führungskräfte müssen unterstützt werden, ihre Aufgaben gut erfüllen zu können; die Personalgewinnung muss weiter optimiert werden. Eine Integrationskampagne für Menschen mit Einwanderungshintergrund, die Warnung der Bevölkerung bei Großschadenslagen mittels Rauchwarnmeldern, beruflicher Zusatznutzen und Weiterbildungsangebote für Feuerwehrangehörige sowie eine zusätzliche Altersversorgung für ehrenamtliche Feuerwehrangehörige sind weitere Schwerpunkte auf unserer Agenda.
FEUERWEHR: Ein besonders brisantes Thema sind die sinkenden Mitgliederzahlen, was kann der DFV dazu beitragen, die Talfahrt zu stoppen? Präsident Kröger: Mit dem Projekt „Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr“ und der Feuerwehr-Jahresaktion „Frauen am Zug“ haben wir gute Erfahrungen damit gemacht, Menschen aus bislang unterrepräsentierten Bevölkerungsgruppen für das Engagement in der Feuerwehr zu begeistern. Waren es in der Jahresstatistik 2003 noch knapp 67.000 Frauen, die in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv waren, so verzeichnet die Statistik mittlerweile mehr als 78.000 ehrenamtliche Feuerwehrfrauen. Nun rückt die Zielgruppe der Menschen mit Migrationshintergrund zunehmend in den Focus des Deutschen Feuerwehrverbandes. Die Verbindung von „Feuerwehr“ und „Ausländer“ ist in der Öffentlichkeit meist als Verbindung von nicht brandschutzgerechtem Verhalten und daraus folgenden dramatischen Einsätzen besetzt – etwa dem tragischen Brand in Ludwigshafen. Vertrauen wächst aus Verständnis: Wenn Migrant(inn)en und Feuerwehrangehörige einander verstehen, entsteht eine größere Vertrauensbasis. Langfristig könnten hierdurch auch neue Mitglieder für die Feuerwehr gewonnen werden. Auch in den eigenen Reihen gibt es noch Potenzial, das wir ausschöpfen können: Jugendliche, die aus den Jugendfeuerwehren in die Einsatzabteilung übertreten, bieten großes Engagement und frischen Wind, von dem auch bewährte Strukturen profitieren können.
FEUERWEHR: Wie wird sich der DFV auf der Interschutz präsentieren und was erwartet die Feuerwehren auf dem deutschen Feuerwehrtag?
Präsident Kröger: Der Deutsche Feuerwehrverband ist einer der ideellen Träger der Interschutz und präsentiert sich und seine Aufgaben auf einem 1.500 Quadratmeter großen Stand in der Messehalle 1. Neben den Mitgliedsverbänden und der Deutschen Jugendfeuerwehr ist der internationale Blickwinkel eine weitere Komponente des Messeauftritts: Der Weltfeuerwehrverband CTIF stellt sich ebenfalls vor. Auch den Aktivitäten der Vertretung der deutschen Feuerwehren bei der Europäischen Union ist ein Teil des Messestandes gewidmet. Hinzu sollen weitere europäische Partner kommen. Der 28. Deutsche Feuerwehrtag findet vom 7. bis 13. Juni 2010 statt. Für die mehr als 100.000 Gäste werden zahlreiche attraktive Programmpunkte geboten: Es gibt Fachforen und Mitmachangebote rund um Jugendarbeit, Mitgliedergewinnung und die Vielfalt in der Feuerwehr, europäische Begegnungen auf höchstem Niveau, eine interaktive und bunte Aktionsmeile in der Innenstadt samt Feuerwehrfest, das 1. Internationale Feuerwehr-Musikfestival des DFV, Oldtimer-Sternfahrten, Jugendzeltlager und als krönenden Abschluss einen großen historischen Autokorso durch die Innenstadt. Dies sind nur einige der zahllosen Angebote während dieser alle zehn Jahre stattfindenden Veranstaltung – weitere Informationen hierzu gibt es im Internet auf der Website www.feuerwehrtag.de.

Wir sehen uns in Leipzig! Bündelung von Wissenschaft
Wir sprachen mit dem Präsidenten der Vereinigung zur Förderung des deutschen Brandschutzes vfdb, Hans Georg Blätte.
FEUERWEHR: Die vfdb hat sich indem letzten Jahr sehr gut entwickelt und konnte sich über zahlreiche neue Mitglieder freuen. Worauf führen Sie diesen positiven Trend zurück?
Blätte: Wir haben uns angestrengt, wir bieten etwas fürs Geld und unser Marktpotenzial ist noch nicht ausgeschöpft.
FEUERWEHR: Welche Ziele hat sich der vfdb für die kommenden Jahre gesetzt? Blätte: Wir haben uns dem Markt ein Stück weit angepasst und uns verändert, aber das ist nicht genug. Wenn es nicht gelingt, aus den Fähigkeiten unserer Vereinsmitglieder gute und wertvolle „Produkte“ zu generieren, die für unsere Mitglieder oder auch für Dritte interessant sind, dann haben wir auf lange Sicht gesehen schlechte Aussichten. Und so wollen wir uns der Zukunft durch die Bündelung von Wissen und durch die Aufarbeitung zu einem wertvollen Partner für unsere „Kunden“ in der „nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr“ entwickeln. FEUERWEHR: Wie beurteilen Sie den heutigen Stand des Brandschutzes in Deutschland?
Blätte: Wenn wir uns international mithilfe der verfügbaren Statistik mit anderen Ländern vergleichen, dann hätten wir ein „Gut“ verdient. Das Ziel eines Präsidenten meines Vereins sollte aber sein, ein „Sehr Gut“ zu beanspruchen. FEUERWEHR: Ist der vorbeugende Brandschutz in Deutschland ausreichend oder sehen Sie hier noch Defizite?
Blätte: „Ausreichend“ ist gerade eine Note über „Mangelhaft“. Wir sind weit besser als „Ausreichend“ haben aber Defizite z.B. bei den unterirdischen Verkehrsanlagen und bei ähnlichen Bauwerken. Darüber sollte man intensiv nachdenken, denn Shit will happen.
FEUERWEHR: Was können die Feuerwehren von der vfdb auf der Interschutz erwarten?
Blätte: Die vfdb engagiert sich wieder kräftig. Wir haben einen Gemeinschaftsstand mit dem VdS konzipiert, also wir werden wieder ein starkes und bewährtes Team sein. Und mit uns wird Paulinchen sein, die FEU, das IdF Heyrothsberge, das Referat 8 – Atemschutz, die IAS (interaktive Lehrgänge) die Statistiker und CIS Kosmas, die Historiker und als „Leckerli“ eine Studie über eine feuerwehr– und katastrophenschutztaugliche Drohne und die Besten der Besten Feuerwehrtüftler, eine ausgesucht innovative Spezies. Dann gibt es das Internationale Brandschutzsymposium mit Gästen aus vielen Ländern und einen hochrangigen Rettungsdienstkongress. Und vielleicht haben wir ja dazu noch die eine oder andere Überraschung.

Richtungsweisende Impulse
Wir sprachen mit dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren, AGBF, Oberbranddirektor Klaus Maurer.
FEUERWEHR: Wie würden Sie die Arbeit des AGBF im vergangenen Jahr charakterisieren?
Maurer: Die Hauptarbeit der ABGF findet in den Arbeitsgemeinschaften auf Länderebene statt. Im unmittelbaren Kontakt mit den Vertretern der Länderministerien, den Verbänden der Freiwilligen Feuerwehren, der Werk- und Betriebsfeuerwehren, den Gewerkschaften und einer Vielzahl weiterer Interessensverbände und Aufgabenträger findet eine anerkannte Facharbeit statt. Herauszuheben ist dabei die enge Abstimmung mit den jeweiligen Vertretern des Städtetages. Auf Bundesebene ist es der AGBF ohne Zweifel gelungen, dem deutschen Feuerwehrwesen mit hervorragenden Publikationen zu einzelnen Fachthemen oder berufspolitischen Fragestellungen richtungweisende Impulse zu geben, die ihre Wirkung nicht verfehlt haben. Beispielhaft denke ich hier an das Papier zur „Identität der Feuerwehren“ oder an Hinweise zur „Gefahrenabwehr durch Raumplanung“, die Stellungnahme zu den Vorstellungen des Bundes über die Entwicklung einer Strategie für einen modernen Bevölkerungsschutz oder zur „Warnung der Bevölkerung“. Hier ist es auch gelungen, einzelne Papiere gemeinsam mit dem Deutschen Feuerwehrverband und den kommunalen Spitzenverbänden herauszugeben, das hat Gewicht. Die Koordination der Facharbeit der AGBF auf Bundesebene erfolgt in den Arbeitskreisen für Grundsatzfragen, Ausbildung, Technik und Vorbeugende Gefahrenabwehr. Ich möchte an dieser Stelle all denen danken, die dort mitarbeiten und Verantwortung übernommen haben. Die enge Abstimmung zwischen den Arbeitskreisen untereinander und zu den Arbeitsgemeinschaften ist dabei von großer Bedeutung. Zusammenfassend kann die AGBF auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Das bestätigte sich auch anlässlich der Vollversammlung 2009 im November in Wilhelmshaven. Es gab viel Anerkennung für den scheidenden Vorsitzenden Karl-Heinz-Knorr und den Vorstand für die Arbeit der letzten Jahre. FEUERWEHR: Welche Ziele setzen sich die Berufsfeuerwehren für die kommenden Jahre? Maurer: Genau diese Frage wird die Arbeit des Vorstands der AGBF in enger Kooperation mit dem Deutschen Städtetag in der nächsten Zeit bestimmen. Es ist von grundlegender Bedeutung, strategische Ziele zu formulieren und diese dann konsequent zu verfolgen und zu kommunizieren. Der Vorstand und die Vorsitzenden der Arbeitskreise werden dazu in den nächsten Tagen zusammenkommen, um wesentliche Eckpunkte festzulegen. Dieser Prozess setzt nicht bei Null an, sondern setzt die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre fort. Einige der wichtigen Themen liegen auf der Hand. Hierzu zählen die Einrichtung neuer Arbeitskreise für die Aufgabenfelder Rettungsdienst sowie Zivil- und Katastrophenschutz, die Zukunft des „Feuerwehrberufs“, die Weiterentwicklung des Bevölkerungsschutzes, die Stärkung der fachlichen Vertretung der Feuerwehren auf Bundesebene in den etablierten Verwaltungsstrukturen, die Neufassung der Rettungsassistentenausbildung und eine stärkere Präsenz der AGBF in den Medien. Sicher werden uns weiterhin auch die Fragen der Arbeitszeitgestaltung und die Konsequenzen aus den neuen Landesbeamtengesetzen und den darauf erlassenen Laufbahnverordnungen beschäftigen. Fragen der Wirtschaftlichkeit rücken wieder zunehmend in den Focus. Hierzu gilt es Perspektiven zu eröffnen. Eine wichtige Grundlage ist die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit mit dem Deutschen Feuerwehrverband. Hierzu haben bereits erste Gespräche statt gefunden.
FEUERWEHR: Worin sehen Sie gegenwärtig die größten Probleme bei den Berufsfeuerwehren?
Maurer: Die Feuerwehren sind personalintensive Bereiche. Von der Personalgewinnung über die Aus- und Fortbildung bis hin zum Personaleinsatz zeigen sich aktuell und perspektivisch deutliche Probleme ab, deren Aufbereitung unter den zuvor beschriebenen Handlungsfeldern für die nächsten Jahre erfolgen muss. Die wirtschaftliche Situation zahlreicher Kommunen wird auf absehbare Zeit kaum Spielräume eröffnen. Die größte Herausforderung wird daher sein, mit der steigenden Erwartungshaltung der Bevölkerung bei knapper werdenden Ressourcen mit hoher Qualität umzugehen.
FEUERWEHR: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Feuerwehren?
Maurer: Die Zusammenarbeit zwischen den Berufs- und den Freiwilligen Feuerwehren ist grundsätzlich gut und so muss es auch sein. Wir sehen uns den gleichen Einsätzen gegenüber und können die Aufgaben und Zukunftsfragen nur gemeinsam bewältigen. Dort, wo es auf der örtlichen Ebene zu Spannungen kommt, liegt es meist nicht an einer im gewissen Sinne systembedingten Konkurrenz zwischen Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren, sondern am mangelnden Miteinander der handelnden Personen. Mit gegenseitiger Wertschätzung und ehrlicher Akzeptanz der Unterschiede lassen sich Konflikte vermeiden. Haupt- und Ehrenamt passen gut zueinander. Viele Feuerwehrangehörige sind in beiden Säulen des Feuerwehrwesens tätig und zeigen problemlos, dass dies kein Widerspruch, sondern eine Ergänzung ist – jeder für den anderen. Im Rahmen der Interessensvertretung durch den Deutschen Feuerwehrverband und seine Mitgliedsverbände gibt es durch die unterschiedliche Rolle und Aufgabenstellung durchaus abweichende Schwerpunktsetzungen. Das ist auch in Ordnung und führt bei einem offenen Dialog zu guten Lösungen für alle Beteiligten und zu einer geschlossenen Wahrnehmung der Feuerwehren durch unsere Gesprächspartner in Verbänden, Verwaltung und Politik. Gerade das letzte Jahr hat gezeigt, dass AGBF und DFV gut und eng zusammenarbeiten. Ich bin sicher, dass wir das in der Zukunft weiter vertiefen werden.
FEUERWEHR: Wie wird sich die AGBF auf der Interschutz „Der Rote Hahn“ in Leipzig präsentieren?
Maurer: Auf der Interschutz hat die AGBF die Chance, die Berufsfeuerwehren mit ihren Kompetenzen und Angeboten unter dem Motto „aktiv-innovativ-sicher“ zu präsentieren. Im Focus steht dabei die Eigenwerbung zur Mitarbeitergewinnung und die Präsentation des „Berufs Feuerwehr“. Am Stand der AGBF erfahren die Besucher Interessantes aus der Breite des Aufgabenspektrums. Es gibt zahlreiche Präsentationen und Vorführungen, die die Attraktivität, Vielfalt und Multifunktionalität der Arbeit bei den Berufsfeuerwehren darstellen. Da liegt es nahe, den Stand einer Feuer- und Rettungswache nachzuempfinden. Treten Sie ein und lassen Sie sich faszinieren.

An die Normen halten
Wir sprachen mit dem Vorsitzenden des Fachverbandes Feuerwehrtechnik im VDMA und Geschäftsführer der Albert Ziegler GmbH, Dr. Rolf Schildknecht. FEUERWEHR: Wie würden Sie die Arbeit des VDMA im vergangenen Jahr charakterisieren?
Dr. Schildknecht: Das Jahr 2009 war sicherlich durch unterschiedliche Themen geprägt. Dazu gehören u.a. eine weitere Ausdehnung der Mitgliedsfirmen und die Verstärkung unserer Öffentlichkeitsarbeit. Ein Schwerpunkt der Verbandsarbeit war sicherlich in der Vorbereitung der Interschutz für das kommende Jahr zu sehen, um gemeinsam mit den Veranstaltern die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Messe zu schaffen. Nachdem die Nachfrage 2009 innerhalb der Branche unverändert auf hohem Niveau lag, stellt sich derzeit mehr denn je die Frage, wie sich der Markt in den nächsten Jahren entwickeln wird. Vor diesem Hintergrund plant die Fachgemeinschaft derzeit eine Marktstudie, um die absehbaren Veränderungen besser greifen zu können.
FEUERWEHR: Was unternimmt der VDMA, um die Beschaffung von Fahrzeugen und Geräten zu vereinfachen?
Dr. Schildknecht: Die Fachgemeinschaft bietet seit geraumer Zeit in Zusammenarbeit mit dem DFV und der vfdb eine Beschaffungsrichtlinie für die Ausschreibung von Feuerwehrfahrzeugen (http://www.vdma-ausschreibung.de). Diese Richtlinie soll insbesondere Beschaffern mit geringer Erfahrung auf diesem Gebiet eine Unterstützung für eine korrekte, effiziente und rechtskonforme Durchführung von Ausschreibungen ermöglichen. Die Bemühungen hinsichtlich einer technischen Unterstützung haben wir dagegen wieder eingestellt. Die Vorstellungen der Anwender als auch der Industrie sind hierfür zu unterschiedlich. FEUERWEHR: Was unternimmt der VDMA, um die Typenvielfalt bei den Fahrzeugen in Grenzen zu halten, oder plädieren Sie für eine noch größere Typenvielfalt?
Dr. Schildknecht: Die Möglichkeiten sind hierbei sicherlich begrenzt. Der Verband plädiert dafür, die Fahrzeugtypen mit einem entsprechenden Bedarf zu normen. Allerdings ist damit die Erwartung verbunden, dass sich die Länder auch an gemeinsam verabschiedete Normen halten, um die bereits immense Typenvielfalt nicht weiter zu erhöhen.
FEUERWEHR: Wie beurteilt der VDMA den Feuerwehrmarkt in Deutschland und liegt die Zukunft der Fahrzeughersteller im Ausland?
Dr. Schildknecht: Die inländische Nachfrage war in 2009 erfreulicherweise auf einem unverändert hohen Niveau. Die Erfahrungen zeigen aber, dass die Branche einem anti- bzw. spätzyklischen Verlauf folgt. Mit Blick auf die aktuelle Haushaltssituation vieler Kommunen erwarten wir daher einen gewissen Nachfragerückgang in den nächsten Jahren. Nachdem auf dem deutschen Markt im wesentlichen aber Ersatzinvestitionen getätigt werden, liegen die Potentiale sicherlich im Ausland, wo teilweise noch erheblicher Nachholbedarf besteht. Entsprechende Investitionen werden dort aber auch aufgrund der anhaltenden Weltwirtschaftkrise nur bedingt getätigt. Trotz der Wachstumspotentiale im Export bleibt für viele deutsche Hersteller das Kerngeschäft jedoch auf dem deutschen Markt.
FEUERWEHR: Was können die Feuerwehren auf der Interschutz vom VDMA erwarten, wie wird sich der Verband präsentieren?
Dr. Schildknecht: Die Interschutz ist unverändert die Weltleitmesse in unserer Branche und für unsere Mitgliedsfirmen eine unverändert gute Möglichkeit, ihre Leistungsfähigkeit und ihre international führende Technologie zu präsentieren. Dabei sind sicherlich auch einige Neuheiten zu erwarten. Nachdem alle Mitgliedsfirmen auf der Messe vertreten sind, haben wir von einem gesonderten Stand der Fachgemeinschaft Abstand genommen.

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