Feuerwehrgeschichte populär machen!
Seminar zu Festschriften und Jubiläumsausstellungen
Der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg hatte zum ersten Mal zu einem ganz speziellen Seminar zur Feuerwehrgeschichte ins Feuerwehrhotel „Sankt Florian“ am Titisee eingeladen. Die Seminarleitung teilten sich die bekannten Geschichtsexperten Harald Pflüger und Oliver Kubitza aus Winnenden.
Hintergrund für dieses Seminarangebot ist die Tatsache, dass in den nächsten Jahren viele Feuerwehren im Ländle vor runden Jubiläen stehen. So mancher Kommandant sieht sich plötzlich vor die Frage gestellt, wie er und sein Team ihr Feuerwehrjubiläum gestalten sollen. Ein solches Ereignis stellt nicht nur eine große organisatorische, technische und nicht zuletzt finanzielle Herausforderung für die Feuerwehr dar, sondern auch der Umgang mit der eigenen Geschichte ist gefragt.
Zu dem Seminar am Wochenende des 19. und 20. März 2011 wurden den Teilnehmern Hinweise, Hintergrundinformationen sowie Anregungen zur Erstellung von Jubiläumsschriften und zur Planung und Durchführung von Ausstellungen zugeben. Die Seminarleitung um Harald Pflüger und Oliver Kubitza wurde durch weitere ausgewiesene Experten zur Feuerwehrgeschichte und zum Museumswesen unterstützt. Knapp fünfzig Kameradinnen und Kameraden aus Baden, Württemberg und Hohenzollern hörten die interessanten Beiträge und diskutierten zu den unterschiedlichsten Fragestellungen. Runde Jubiläen gehören nicht gerade zum Alltagsgeschäft einer Feuerwehr und ihrer Leitung. Zumeist wird zum Jubiläum eine „Festschrift“ erstellt, hinzu kommen die unterschiedlichsten Aktivitäten mit historischem Hintergrund. Und so standen an diesem Wochenende auch ganz „gewöhnliche“ Fragen im Mittelpunkt:
Wie erstelle ich eine Festschrift?
Was kostet der Druck?
Welches Papier, welches Format und welche Bindung nehmen wir?
Wie plane ich eine historische Ausstellung?
Wieviel Platz brauchen wir und welche Räumlichkeiten stehen zur Verfügung?
Wer versichert die Exponate?
Harald Pflüger, Fachgebietsleiter für Feuerwehrgeschichte im Landesfeuerwehrverband, wies zu Beginn daraufhin, dass dieses Seminarangebot aus der Verpflichtung des LFV Baden-Württemberg entstanden ist, die Feuerwehrgeschichte zu wahren und zu pflegen. Dabei wendet es sich in erster Linie nicht nur an die Historiker unter den Teilnehmern. Neben dem Informationsangebot mit den Themenschwerpunkte + zum Erstellen einer Festschrift sowie + zum Planen einer historischen Ausstellung wurde den Teilnehmer viel Raum gelassen werden, um ihre Fragen und Erfahrungen einzubringen.
Sascha Weihs (Werbeagentur Biberach/Riß) ging mit vielen praxisbezogenen Beispielen auf die Planung einer historischen Ausstellung ein. Dabei konnte er auf umfangreiche Erfahrungen bei der Organisation und Durchführung derartiger Ausstellungen wie die große Ausstellung 1999 im Braith-Mali-Museum oder in Sigmaringen 2010 zurückgreifen. Vom 26. Juli bis 10. Oktober 1999 zeigte das Braith-Mali-Museum in Biberach/Riß die Sonderausstellung „Dann hot’s brennt. Die Geschichte von Brandschutz und Feuerwehr in Biberach“ und die Zusatzausstellung „Historische Großlöschgeräte“. Weihs sprach über die Konzeption, die Ausstellungsgestaltung und Realisation der Sonderausstellungen im Werkvertrag. Ein weiteres Praxisbeispiel war die Ausstellung zu den Feierlichkeiten zum 150jährigen Bestehen der Sigmaringer Feuerwehr und die Entwicklung des Feuerlöschwesens im Bezirk Hohenzollern. Dabei wurden auch offen über Schwierigkeiten, Probleme und nicht zuletzt Fehler gesprochen. Die Teilnehmer stellten mit vielen Detailkenntnissen Fragen, die der Experte Weihs sachkundige beantwortete, wodurch es zu einem echten Erfahrungsaustausch kam.
Oliver Kubitza und Buchdrucker/Buchbinder Mathias Bäuerle wandten sich dem Themenschwerpunkt „Erstellen einer Festschrift“ zu. Bäuerle ging auf alle Fragen von der Formatwahl bis zum Vertrieb einer Festschrift ein. Als Buchdrucker konnte er selbst die speziellsten Fragen nach Bindungen, Papiergewicht und Einband beantworten. Er blieb aber auch keine Antwort schuldig, wenn es um Fragen nach dem Preis ging. In Zeiten „knapper“ öffentlicher Kasse kein unwesentlicher Aspekt. Sehr viel Zeit nahm sich der Referent für die Beantwortung von Fragen rund ums Layouten. Dabei wurden wieder sehr praxisorientiert Chancen und Grenzen der eigenen Layout-Gestaltung angesprochen. Am Ende des Vortrages standen noch zwei ganz persönliche Appelle: „Sucht den Buchdrucker möglichst in der Region und achtet darauf, das der ökologische Aspekt z. B. bei der Papierauswahl nicht vergessen wird“, schloss Bräuer.
Oliver Kubitza ging danach auf die Feuerwehrgeschichte in Baden, Württemberg und Hohenzollern ein. Im Mittelpunkt stand zum einen die inhaltliche Verortung der Jubiläen mit der Geschichte des deutschen und speziell des baden-württembergischen Feuerwehrwesen. Baden-Württemberg ist eine Wiege des deutschen Feuerwehrwesens, denn die ersten Freiwilligen Feuerwehren organisierten sich im Ländle.
Zweiter inhaltlicher Schwerpunkt war die scheinbar „banale“ frage:
Was ist eine Feuerwehr?
Diese Frage ist gerade bei der Bestimmung des tatsächlichen Alters einer Feuerwehr nicht ganz unwichtig. Hilfreich könne in diesem Zusammenhang die Richtlinie des Referates „Brandschutzgeschichte“ der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) sein.
Der gemeinsame Abend im Feuerwehrhotel bot viele Möglichkeiten den begonnenen bilateralen Gedanken- und Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern fortzusetzen. Der Sonntagmorgen danach war nicht weniger arbeitsreich als der Vortag. Auf der Agenda standen der Umgang mit Archiven und Quellen sowie die Planung und Durchführung von historischen Übungen, Handdruckspritzen-Wettbewerben und Oldtimertreffen. Wertvolle Hinweise mit hohem Praxisgehalt zur Archivierung von Dokumenten und Exponaten gab Dieter Gehring vom Feuerwehrmuseum Winnenden. Mindestens ebenso viele praktische Hinweise zur Organisation und Durchführung von historischen Übungen, Handdruckspritzen-Wettbewerben und Oldtimertreffen gaben die Kameraden Pflüger und Kubitza. Dabei ging es um die notwendige Infrastruktur, die Öffentlichkeitsarbeit, Logistik sowie Arbeit- und Gesundheitsschutz.
Und es gab auch berechtigte Warnungen vor so mancher „Untugend“:
Nicht in die Feuerwehr und schon gar nicht auf historische Festveranstaltungen gehören Feuerwehr-Oldtimer, die zu „Schankwagen“ umgebaut wurden, undisziplinierte oder angetrunkende Teilnehmer und Klamauk-Übungen.
Das obligatorische Feetback am Ende der Veranstaltung war eindeutig. Dieses Seminar war aus Sicht der Teilnehmer eine wertvolle Bereicherung und für die Veranstalter ein Erfolg!
Frank D. Stolt
FF Mannheim, Abt. Nord
Technischer Fachberater Feuerwehr




